Karfreitag, 14. April 2006, 15:05 Uhr: Klaus Heuser, einer der legendären Helden von Mogadischu, erschießt im Berliner Grunewald den amerikanischen Finanzinvestor Marc Schworz mit zwei schnell hintereinander abgegebenen Schüssen. Etwa acht Stunden später, gegen 23:17 Uhr, wird Heuser auf dem Weg nach Lugano im Restaurant einer Autobahnraststätte verhaftet. Er sitzt an einem abseits gelegenen Tisch und ißt gerade Bratwürstel mit Sauerkraut. Ein Attentat aus heiterem Himmel, ein gefundenes Fressen für die Medien, ein hochaktueller Fall, der irritiert und polarisiert. Für die einen handelt Heuser aus Notwehr – legitimer Widerstand im Zeichen sozialer Gerechtigkeit. Für die anderen ist er ein blindwütiger Terrorist, ein heimtückischer Mörder – armselig, weltfremd, skrupellos. Moralapostel oder Verbrecher, ganz so einfach ist es natürlich nicht. Recherche tut Not. Hintergrundinformationen werden gesammelt, verblüffende Fakten entdeckt und zu einer vielstimmigen Reportage zusammengestellt. Am Ende stehen brisante Fragen zuhauf; das letzte Wort hat der Leser.

Thomas Weiss
Belletristik
Steidl 2007
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Ob in der Sauna, vor dem Altar, auf dem Tennisplatz oder an der Theke, ein Wort gibt das andere: Kriegstraumata und Kaffeekränzchen, Vertreibungsdramen und Wochenendaffären, Gewalt- und Erlösungsvisionen, das kommt in den besten Familien vor. Thomas Weiss gelingt es mit seinem phantastisch-realistischen Roman, eine ganz eigene Form für das erschreckend Vertraute zu finden. Steigen Sie ein in die tragikomischen Geschichten von Familie Weber aus Kressbronn am Bodensee, in eine rhythmisierte Sprachwelt aus eigensinnigen Assoziationen, schockierenden Tagträumen und stilisierter Mundart. Lassen Sie sich überraschen von einem Gedanken und Gefühle treibenden, Verdunstungskälte und Gänsehäute provozierenden Kunststück im Zeichen des Allzumenschlichen. Denn alles, was man bereits über schrecklich schöne Familienbande zu wissen glaubt, wird in diesem wahnwitzigen Wortkettenkarussell erfrischend anders, mit Leichtigkeit, Augenzwinkern und Tiefgang erzählt.

Thomas Weiss
Belletristik
Steidl 2006
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»Ediths Wohnung hat Krebs, und die Metastasen treiben Plastikblumen, Goldherzen, Blumenkränze in die Ecken und Augenwinkel. Bunte Karzinome wuchern von allen Seiten in Richtung Fernseher.« Die Bewohnerin selbst ist etwas aus der Art geschlagen; ständig unter Hochdruck, sprengt sie am Weihnachtsabend den Familienverband. Auch der Optiker in der titelgebenden Geschichte unterliegt einem unkontrollierbaren Impuls und fällt bei der Wohnungssuche plötzlich aus der Rolle; die Gruppe Studienstifter in Nachtschwimmen wird von einer Dynamik ergriffen, die beinahe tödlich endet; und Jonna, die junge Mutter, kann den Erwartungen der Gesellschaft nicht entsprechen: Das Baby liegt ihr in den Armen wie ein Alien. Es sind die Momente, in denen etwas entgleist und der Organismus sich gegen sich selbst wendet, die Thomas Melle in seinem Debüt untersucht. Mit dem Blick eines Morphologen folgt er den Vernetzungen und Verästelungen dieser Welt, dringt ein in ihr Gewebe, entnimmt ihm Proben und spürt die Abweichungen in der Gesamtstruktur auf: Raumforderungen mutierter Zellen. Die Sprache wird dabei kontrollierten Wucherungen unterzogen, bildet Metaphern wie Metastasen und entfaltet ihre ganze expansive Kraft.

Thomas Melle
Belletristik
Suhrkamp 2007
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Als sich die erfolgverwöhnte Pariser Schlagersängerin Iolanda und der italienische Protestsänger Luigi Mai Mitte der sechziger Jahre in Rom kennen lernen, ist es Liebe auf den ersten Blick. Am legendären Schlagerfestival von Sanremo wollen die beiden gemeinsam den großen Coup landen. Der erste Preis ist der frankoitalienischen Diva und dem renommierten Cantautore so gut wie sicher. Doch es kommt anders: Das Stück fällt komplett durch, und noch in derselben Nacht nimmt sich Luigi Mai das Leben ...
Der Roman orientiert sich an den Biografien der Sängerin Dalida (1934-1987) und des Liedermachers Luigi Tenco (1938-1967), dessen unerwarteter Selbstmord in Sanremo das Festival bis heute prägt.

Franco Supino
Belletristik
Rotpunktverlag 2004
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»Er hatte das eigenartige Gefühl, etwas Richtiges sei geschehen.«
Täuschungen, kleine Irritationen widerfahren den Menschen in diesen Geschichten. Sie erzählen von der Schönheit und der Schmerzlichkeit des wahrhaft Unerwarteten.

Gernot Wolframs Geschichten berichten von Menschen, die plötzlich in eine Situation des Zweifelns geraten. Mit einem Mal werden ihre Überzeugungen brüchig, stimmen nicht mehr, verändern sich.
Zum Beispiel geht es um einen Journalisten, der glaubt einem Verbrechen auf der Spur zu sein, dann, weil er das falsche Foto schießt, selbst unter Verdacht gerät. Eine Gruppe israelischer Restauratoren stößt in einer Villa in der Ukraine auf die Fresken des ermordeten Dichters Bruno Schulz. Ein Exilchinese in Berlin verliert sich allabendlich im Kosmos entlegenster Radiosender, bis ihm ein Beschwerdebrief die Fäden aus der Hand nimmt.
Gernot Wolfram besticht durch seine komprimierte Schreibweise, durch die feine psychologische Ausarbeitung seiner Charaktere, die nicht zuviel verrät, und durch seine Fähigkeit, Atmosphären entstehen zu lassen.

Gernot Wolfram
Belletristik
DVA 2003
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Die Geschichte einer ungewöhnlichen Reise. Ein junger Übersetzer verliebt sich in eine Frau, die einen eigenwilligen Sohn hat. Der Junge, Samuel, interessiert sich nur selten für andere Menschen und lebt in der Welt von Science-Fiction-Romanen.
Er schickt Briefe an den Autor dieser Bücher, einen alten Mann in Krakau, in dem unschwer Stanislaw Lem zu erkennen ist, und träumt davon, ihn eines Tages zu treffen. Als Samuels Mutter ein vierwöchiges Stipendium für Amerika erhält, reist ihr Freund mit dem Jungen nach Polen. In Krakau angekommen, verschwindet Samuel plötzlich, und der Mann begegnet auf der Suche nach ihm Menschen, deren Leben und Geschichte ihn auf die geheimen Wege dieser Stadt im Wandel führen und ihn unentrinnbar verändern.

Gernot Wolfram
Belletristik
DVA 2005
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Die Familie steht einem Medienimperium der Superlative vor: Random House ist größter Buchverlag der Welt, RTL größter Fernsehanbieter Europas, Gruner+Jahr größter Zeitschriftenverlag Europas. Nach der Fusion mit Sony kommt jede vierte CD von BMG. Die Erfolgsgeschichte begann vor mehr als 175 Jahren mit einer Handpresse, mit der Carl Bertelsmann seine ersten protestantischen Liederbücher druckte.
Die Erben, die seit 1887 Mohn heißen, machten aus dem Provinzverlag ein weltumspannendes Medienimperium. Thomas Schuler erzählt die Geschichte der unsichtbaren Medienmogule aus Gütersloh. Er zeigt, wie Frömmigkeit, ein strenges Arbeitsethos und eine gehörige Portion Kälte und Opportunismus die Mohns an die Weltspitze führten – und welche Gräben der Erfolg in der Familie riss. Schuler fördert Konflikte zutage, die hinter der Fassade schwelen: Die Kämpfe um Reinhard Mohns Nachfolge haben längst begonnen.

Thomas Schuler
Sachbuch
Campus Verlag 2004, Bastei Lübbe 2005

In der modernen Mediengesellschaft können mit gezielt gestreuten Gerüchten, aufgebauschten Nebensächlichkeiten oder schlampiger Recherche schnell Ansehen und Ehre eines Menschen verletzt oder gar zerstört werden. Nach einer solchen Kampagne ist der Ruf von Personen des öffentlichen Lebens oft derart beschädigt, dass sie eine gesellschaftliche Ächtung erfahren. Aber auch zufällig Beteiligte bei Unfällen, Katastrophen oder Entführungen können unversehens ihre Privatheit verlieren und zu Opfern einer sensationslüsternen Darstellung werden.
Welche Szenarien es dabei gibt, welche Gefahren lauern und wie man sich gegebenenfalls dagegen wehren kann, wird in diesem Buch an exemplarischen Beispielen behandelt. Ausgewiesene Medienjournalisten und Presserechtsexperten machen auf tatsächliche und juristische Probleme aufmerksam und zeigen Abwehrstrategien auf – ein Plädoyer für eine neue Medienkultur.

Thomas Schuler
Sachbuch
Ch. Links Verlag 2007

Franz Josef Strauß hatte Chuzpe und Charisma. Ehrgeiz und Einfluss im Übermaß. Und er war einer der schillerndsten und umstrittensten deutschen Politiker der deutschen Nachkriegszeit. Seine Kinder lernten ihn als absoluten Monarchen kennen und versuchten auf ihre Weise seinem Vorbild nachzueifern.
In diesem Buch beleuchtet Thomas Schuler die politischen Affären, die persönlichen Hintergründe und die privaten Höhen und Tiefen des Ausnahmepolitikers und seiner Familie und deckt bislang unbekannte Seiten einer Geschichte auf, die gleichzeitig ein Stück bundesdeutscher Geschichte ist.

Thomas Schuler
Sachbuch
Scherz Verlag 2006; Fischer TB 2008

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